Als kulturelle Wesen sind wir auf einen natürlichen Resonanzboden angewiesen: auf die Fähigkeit, Leib zu sein und nicht nur einen Körper zu haben; auf die Kunst, Leben wachsen lassen zu können und nicht nur zu verwalten; auf die Demut, uns nicht nur durch unsere prometheischen Leistungen als Menschen zu empfinden, sondern auch und vor allem durch unsere Zugehörigkeit zum über Jahrmillionen entstandenen Gewebe des Lebens. Kulturell verantwortlich, also „enkeltauglich“ zu handeln wird in Zukunft heißen: Natur sein zu können.

Bernhard Malkmus, Vom Ausrotten erzählen. in: Sinn und Form, November / Dezember 2023

Hier gibt es einen ersten Eindruck vom Kunstprojekt sacra conversazione, vom Künstler Christof Rehm, den Genitalporträts und zum Ausstellen diese Bilder.

Das Kunstprojekt sacra conversazione

»Sacra Conversazione« ist ein fotografisches Kunstprojekt von mir, Christof Rehm. Es ist Ausdruck meiner Faszination für die Vielfalt des Lebens und eine Huldigung an die verletzliche Kraft des Seins. Darin liegt auch eine Sehnsucht, dem Geheimnis von Tod und Ewigkeit auf die Spur zu kommen und sich einzubetten in den Zyklus von Werden und Vergehen. Indem ich allen Erscheinungsformen des Seins mit der selben respektvollen und achtsamen Haltung gegenübertrete, fotografiere ich Vulven und Penise auf gleiche Weise wie Pflanzen, Steine, Wasser.

mehr erfahren über dieses Kunstprojekt

Der Künstler Christof Rehm

Der Künstler Chritof Rehm

Ich habe an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert und dort als Meisterschüler von Günther Förg 2009 abgeschlossen. Seither habe ich an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen. Ich arbeite überwiegend mit Malerei und Fotografie, aber auch mit Porzellan. Seit 2014 führe ich in Augsburg den Kunstpavillon »fotodiskurs«. Dort haben namhafte Künstler*innen wie Werner Knaupp, Joan Fontcuberta, Darren Almond oder Christa Näher ausgestellt.

christof-rehm.de

Vulva und Penis fotografieren

Pflanzen oder Landschaft zu fotografieren kann eine Herausforderung sein, besonders dann, wenn ich dies auf analogem Schwarz-Weiß-Film mit einer Großformatkamera in unwegsamem Gelände unternehme.
Um Vulven oder Penise zu fotografieren, müssen die zu mir ins Atelier kommen. Aber Viele fürchten, ihre Vulva oder sein Penis wären nicht schön genug, weil sie nicht dem entsprechen, was sie aus Filmen oder Internet kennen. Der Penis zu kurz, zu lang, zu dick, zu dünn, zu krum. Die Vulvalippen – innere oder äußere – zu lang, zu klein, zu groß, zu schmal, zu schlapp, zu haarig, zu glatt. Dabei fasziniert gerade die Fülle an Unterschieden, das macht doch uns als Individuen, als Persönlichkeiten aus! Ein irgenwie vorgegebener Standard, dem wir zu entsprechen hätten, verunsichert und schränkt uns ein in unserem Selbstsein. Wir sollten lieber die Fülle des Lebens feiern!

Wenn Du Teil dieses Kunstprojekt werden willst und Dich fotografieren lässt, öffnest Du anderen die Augen, die eigene Schönheit zu erkennen.

selber mitmachen Erfahrungen anderer

Kunst ausstellen

Vulven und Penise zu fotografieren ist das Eine. Diese Aufnahmen zu zeigen ist die andere Herausforderung. Es ist nicht jeder Kurator*in gegeben, sich einem unmenschlichen Zeitgeist zu widersetzen, auch weil eine falsch verstandene Scham leicht den offenen Blick trübt. Ja, diese Bilder sind in ihrer Radikalität extrem. Aber ist Kunst nicht eigentlich „nur an ihren äußersten radikalen Rändern legitim“? (Gehrhard Merz, Kunsthaus Bregenz 2007)

In einer Zeit, in der Körper selbstoptimiert werden und mehr denn je wieder der Machtdemonstration dienen, ist es umso wichtiger, die geheimnissvollen, schwachen und verletzlichen Seiten unserer menschlichen Körper zu zeigen. Betten wir uns mit unseren Körpern lieber ein in das Gewebe des Lebens, statt uns weiterhin darüber zu erheben und das Leben auf der Erde der menschlichen Hybris zu unterwerfen.

Das Gelingen einer Ausstellung mit diesen Fotoarbeiten hängt davon ab, wie sensibel die Ausstellung kuratiert ist und in welchen Kontext diese Bilder eingebunden werden. Aber wenn das gelingt, wird es sehr berührende Momente und intensive Begegnungen in der Ausstellung geben. Ich weiß das aus Erfahrung.

diese Bilder ausstellen

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Vulvalippenlandschaft

Weißt du eigentlich, wie besonders du bist?